Mein Weg nach Sparta…

beginnt in der Normandie.

116 Kilometer Wegstrecke, 5.320 Meter Höhengewinn, 36 Stunden Zeit – das sind die Eckdaten des Rucksackmarschs, auf den ich mich aktuell vorbereite: der Spartan Agoge 300 Ruck March.

Beginnend am Grab von Leonidas in Sparta wird der Weg auf schmalen Pfaden über das Taygetos-Gebirge führen – ein Unterfangen, von dem ich jetzt schon weiß, dass es mir körperlich und geistig alles abverlangen wird, und von dem ich nicht die geringste Ahnung habe, ob ich es schaffen kann.

Das ist nämlich der Punkt.

Warum tut man sich so etwas an?

Kurz gesagt: es ist die logische Progression auf der Suche nach dem eigenen, unlimitierten Potential – das sich, wie der amerikanische Psychiater Phil Stutz schön ausführt, außerhalb unserer Komfortzone befindet, und von dem uns eine Barriere aus unangenehmen Empfindungen trennt: Ungewissheit, Schmerz, Angst.

Nur wenn man diese Mauer durchbricht, gelangt man auf „die andere Seite“. Es ist ein transformatives Erlebnis – mental, emotional und spirituell.

Mein erstes richtiges Erlebnis dieser Art ereignete sich in der Normandie. Anlässlich des 80jährigen Jubiläums des D-Days richtete GORUCK eine Vielzahl von unterschiedlichen Ruck-Events aus; beginnend vom familienfreundlichen 5k bis zum 80km Ultra-Ruck.

Ursprünglich hatte ich mich für die Marathon-Distanz angemeldet. Da ich schon eine Weile ruckte und ordentlich dafür trainiert hatte, war ich zuversichtlich, diese Distanz schaffen zu können. Und genau das stellte sich schlussendlich als das „Problem“ heraus – da ich keine ernsthaften Zweifel an meinem Erfolg hatte, übte das Ziel keinen besonderen Reiz auf mich aus. Natürlich wäre es ein schönes Erlebnis gewesen, in dieser Landschaft und Atmosphäre einer meiner beiden großen Leidenschaften nachzugehen – der transformative Aspekt wäre aber auf der Strecke geblieben.

Also meldete ich mich stattdessen für die 80km Distanz an. Diese flößte mir einen Heidenrespekt ein – könnte ich das schaffen? Ich war davor noch nicht einmal halb so weit gegangen. Ich konnte noch nicht einmal abschätzen, wie realistisch meine Erfolgsaussichten wären.

Genau solche Empfindungen sind notwendig, um den Nutzen aus einem solchen Unternehmen zu ziehen. Der Erfolg ist mehr als ungewiss, das Scheitern wahrscheinlich, Schmerz sicher – den Widerstand zu überwinden, den diese Gefühlskulisse erzeugt, und dennoch mit Entschlossenheit und Tatkraft ans Werk zu gehen – daraus nährt sich die Transformation.

Dafür benötigt man nicht 116 oder 80 Kilometer. Je nach persönlicher Ausgangslage kann das eine völlig andere Zahl, oder ein anderes Unternehmen sein. Das ist völlig in Ordnung, solang es erfordert, seine Komfortzone zu verlassen, durch die Wand aus Ungewissheit und Schmerz zu stoßen, und sein Potential ein Stück weiter auszudehnen.

Meiner Ansicht nach erzeugen wir Harmonie (und damit Lebensglück) dadurch, dass wir uns kontinuierlich weiterentwickeln, und beständig die Lücke schließen zwischen der Person, die wir sind, und der, die wir sein können.

Dieser Weg endet nie; es gibt kein endgültiges Ziel, sondern nur Zwischenziele. Hat man eines erreicht, kann man am Horizont bereits das nächste erkennen…

„The Road goes ever on and on…“ – J.R.R. Tolkien

P.S.: Nach 18 Stunden und 46 Minuten hatte ich die 80k geschafft.


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